Ältere Menschen nehmen zunehmend die professionelle Hilfe der Beratungsstellen in Anspruch, zeigt ein Bericht des Bezirks Oberbayern
Ältere Menschen benötigen zunehmend Hilfe, weil sie Suchtprobleme haben.
Das zeigt der neueste Entwicklungsbericht des Bezirks Oberbayern zur Arbeit
der vom Bezirk finanzierten Suchtberatungsstellen und Sozialpsychiatrischen Dienste. Er wurde jetzt im Sozialausschuss des Bezirkstages vorgestellt.
Nach dem Bericht ist die Zahl der Menschen über 50 Jahre, die 2009 eine Suchtberatung in Anspruch nahmen, überproportional stark gestiegen. Besonders hoch fiel der Zuwachs bei den über 65-Jährigen aus: Fast 40 Prozent mehr Klienten als im Jahr 2007 suchten in dieser Altersgruppe die Beratungsstellen auf (siehe Tabelle 1). Diese Entwicklung dürfte sich wohl auch künftig fortsetzen, meint Dr. Sylvia Henrich, Koordinatorin für Psychiatrie und Suchthilfe beim Bezirk Oberbayern. „Das Thema Senioren und Sucht wird uns in Zukunft viel stärker beschäftigen“, sagt die Expertin.
So müsse man von einem vergleichsweise hohen Anteil älterer Menschen ausgehen, die Suchtprobleme haben – jedoch nicht den Mut finden, eine Beratungsstelle aufzusuchen. „Da gibt es ein großes Potenzial an Menschen, die Hilfe benötigen und die wir mit unseren Angeboten noch nicht erreichen“, so Henrich. Auch insgesamt weist der Entwicklungsbericht eine starke Zunahme der Klienten in den Beratungsstellen aus. Neben Älteren suchen dabei zunehmend Jugendliche und junge Erwachsene Hilfe.
Die mit Abstand häufigste Diagnose bei der Suchtberatung sind Alkoholprobleme (siehe Tabelle 2). Ihr Anteil an den Beratungsfällen steigt: Lag er 2007 noch bei 53,3 Prozent, so waren es 2009 bereits 56,4 Prozent. „Alkohol wird ein immer größeres gesellschaftliches Problem – das spiegelt sich auch in den Beratungsstellen wider.“ An zweiter und dritter Stelle liegen illegale Drogen wie Opioide und Cannabis. Danach folgen Essstörungen. Deutlich zugenommen hat die Spielsucht. Der Anteil der Klienten in der Suchtberatung, die pathologisch dem Glücksspiel nachgehen, stieg um fast die Hälfte. Er war 2009 mit 2,8 Prozent aber insgesamt immer noch gering.
In Oberbayern gibt es in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt mindestens eine Suchtberatungsstelle und einen Sozialpsychiatrischen Dienst. Der Bezirk Oberbayern finanziert sie derzeit mit gut 24 Millionen Euro. „Die steigende Inanspruchnahme der Beratungsstellen zeigt, dass die Dienste vor Ort gut verankert sind“, sagt Sylvia Henrich. Die frühzeitige Beratung und schnelle Hilfe stelle dabei sicher, dass lang andauernde Klinikaufenthalte der Klienten oft vermieden werden können.
Bezirk Oberbayern | Bei uns veröffentlicht am 28.07.2010
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