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Fünf Seen Filmfestivalleiter Matthias Helwig im Interview

1. Das Fünf Seen Filmfestival hat nicht nur einen neuen Termin, es hat auch erstmals ein Motto. Warum die Verlagerung in den September? Was steckt hinter dem Motto "Zeit"?

Matthias Helwig: Nach den Erfahrungen in den vergangenen Jahren war es für uns wichtig, die Veranstaltungen, die im Kino stattfinden – und das sind alle mit den Ehrengästen und den Wettbewerbsfilmen aus dem unkalkulierbaren Risikobereich des Wetters im Hochsommer – herauszubringen. Gleichzeitig verlangen gerade diese Festivalfilme eine überörtliche Aufmerksamkeit, die besser wahrgenommen werden kann, wenn sie genau zwischen den beiden großen bayrischen Festivals in München und Hof platziert sind. Und dieses ist eben Anfang September am Ende der Schulferien und am Beginn des neuen Schuljahres. Gleichzeitig wollten wir aber das örtlich so beliebte Open Air Kino nicht aufgeben. Dieses bleibt am bisherigen Termin, vom 26.7. – 5.8. am Starnberger See und vom 7.-15.8. am Wörthsee. In diesem Jahr haben wir als Festivalmotto "Zeit" gewählt. 2019 wird es "Raum" sein, 2020 "Bewegung". Zeit ist in unserer schnelllebigen Gesellschaft ein großes Thema. Die Zeit, die uns fehlt, die Zeit, die wir brauchen, die Zeit, die wir haben. Zeit, die sich dehnt, und Zeit, die sich auf einen Moment verkürzt. Dies alles wird im Film abgebildet, zum Beispiel im Rhythmus des Schnitts oder in der Länge der Formate Kurzfilm, Spielfilm, Epos oder Serie.

2. Rückläufige Besucherzahlen in den Kinos. Die große Konkurrenz Internet. Die Vielzahl anderer Festivals und dann noch München nicht weit. Wie kann sich ein Filmfestival da noch behaupten? Was will das fsff dagegensetzen?

Matthias Helwig: Ein Filmfestival ist ein Event für den Film. Filmfestivals haben im Moment steigende Besucherzahlen, weil wir in einer Zeit der Eventisierung leben, was eher schlecht für das Alltagsgeschäft im Kino ist. Ein Filmfestival wie das Fünf Seen Filmfestival wird als singulär wahrgenommen. Die Menschen nehmen sich dafür Zeit, die Menschen wollen in dieser Zeit Film erleben. Sie wissen, dass sie etwas Besonderes sehen werden, zum Lachen, zum Weinen oder Ergriffen-Sein. Dazu kommt das Charakteristische unseres Festivals. Die persönliche Aufnahme, die Gespräche und natürlich das befreiende Ambiente der Seen und der Landschaft. Die Menschen kommen gerne zu uns und sie sagen das weiter. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass wir die 20000 Besucher aus dem Jahre 2017 wieder erreichen werden.

3. Das Festival soll neu ausgerichtet werden. Was für neue Ideen, Konzepte gibt es? Wer soll künftig mehr angesprochen werden?

Matthias Helwig: Wichtig war für uns nach den Erfahrungen von 2017 die finanzielle Konsolidierung. Ein Event dieser Größe braucht die Unterstützung vieler Institutionen und Förderer. Wir konnten bis auf eine Ausnahme hier überall positive Aufnahme erfahren. Das stärkt uns natürlich. Die schon allseits bekannten Pluspunkte, wie das fast paradiesische Ambiente im Süden Münchens oder die Dampferfahrt und das weithin beachtete Programm wollten wir nicht und haben wir nicht verändert. Aber wir haben versucht die Ausrichtung des Festivals noch etwas zu schärfen. Deswegen wollen wir uns bewusst auf den mitteleuropäischen Film beschränken. Die bisherige Auswahl mit dem Fokus auf den Film aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat dazu quasi die Vorarbeit geleistet. Soweit ich das sehe, gibt es in Deutschland, aber sicher nicht in Süddeutschland die Ausrichtung auf diese Länder. International ist hier das Festival von Karlovy Vary ( Karlsbad ) das Vorbild geworden. Weiter sind wir natürlich an den neuen Entwicklungen im Filmbereich interessiert. Neben dem Filmgespräch am See in der Politischen Akademie in Tutzing – in diesem Jahr über „Verfilmte Zeit“, wird es ein weiteres Filmgespräch in der Evangelischen Akademie in Tutzing geben, über „Rhythmus als Herzschlag des Films“ mit der allseits anerkannten deutschen Editorin Bettina Böhler, ein Panel zum Thema „Zeit zum Entwickeln eines Filmstoffes“ und eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des Kinos unter dem Titel „Die Zeiten ändern sich“. Kern des Festivals bleibt aber immer der Film und die Neugier auf neue Entwicklungen, spannende Filmschaffende und die Gespräche mit ihnen.

4. Was sind die Themenschwerpunkte in diesem Jahr? Wie wird das Motto "Zeit" mit Leben gefüllt?

Matthias Helwig: Wie ich schon gesagt habe – der Film aus Mitteleuropa in all seinen Facetten, also in den Bereichen Kurz-, Spiel-, Dokumentarfilm, eventuell auch Serie. Das Thema „Zeit“ interessiert mich – wahrscheinlich wie viele andere – natürlich selber. Man wird älter, arbeitet rund um die Uhr, muss sich aber immer gerade deswegen wieder der Wertigkeit der Zeit bewusst werden. Im Film wurde das schon immer thematisiert, zu allen Zeiten. Wir werden also eine Retrospektive machen mit Filmen von Chaplin zu Christopher Nolan. Unser diesjähriger Ehrengast Josef Bierbichler hat mit der Verfilmung seines Romans „Mittelreich“ ebenfalls die Zeitdimensionen, hier an einem bayrischen See aufgenommen. In unserer Reihe „Odeon“ – den Filmen aus den verschiedensten Bereichen der schönen Künste werden wir das Vergehen oder auch Entstehen thematisieren, von „Servus Bayern“ zu „Paterson“, um nur mal zwei scheinbar weit auseinanderliegende Filme zu nennen, oder von „Moderne Zeiten“ zu „Sur“.

5. Josef Bierbichler ist als Ehrengast schon gesetzt. Wer kommt noch? Was können Sie schon verraten?

Matthias Helwig: Dass sich Sepp Bierbichler bereit erklärt hat, auf dem Fünf Seen Filmfestival seine Werke vorzustellen, ist eine große Ehre für mich. Wenn ich ihn sehe, spüre ich – und vielleicht auch andere – sofort seine Aura, seine Präsenz und vor allem seine Authentizität. Der am Starnberger See geborene und dort lebende Schauspieler wird bei uns aus seinem autobiografischen Zeit- und Familienroman "Mittelreich" lesen und seinen neuen Film "Zwei Herren im Anzug" im Gespräch mit mir vorstellen. Dazu hoffen wir, Weggefährten oder Regisseure einzuladen. Bettina Böhler ist mich genauso wichtig. Die meisten Kinogänger wissen nicht, wie wichtig der Schnitt für den Film ist. Bettina Böhler ist eine großartige Editorin und mit ihr können wir lernen, die Filme ganz anders wahrzunehmen. Wer sonst noch kommt, möchte und kann ich noch nicht verraten, dafür ist jetzt noch zu früh.

6. Die legendäre Dampferfahrt auf dem Starnberger See wird es auch in diesem Jahr wieder geben?

Matthias Helwig: Natürlich wird es die Dampferfahrt wieder geben. Sie ist ja unser Aushängeschild! In diesem Festivaljahr steht sie für den 11. September auf dem Programm. Der spätere Termin hat auch seine Vorteile: Die Sonne geht früher unter, wir sind früher wieder im Hafen. Das Programm bleibt auf der einen Seite gleich, wird aber noch ein wenig aufgewertet. So präsentieren wir erneut auf zwei Leinwänden, eine davon Open-Air auf dem dahinfahrenden Dampfer, die drei oder vier besten Kurzfilme, die vorher auf dem Festival ausgewählt wurden. Dann kann das Publikum an Deck unter diesen den Gewinner wählen. Während der Auszählung werden wir als besonderes Schmankerl einen Stummfilm mit Live-Musik zeigen. Es wird ein herrlicher Filmabend werden, da bin ich mir sicher.

Fünf Seen Filmfestival | Bei uns veröffentlicht am 04.09.2018


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