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Gedanken einer Bauerntochter (Teil 2)

Sie verpesten die Umwelt, quälen Tiere und hintergehen den Verbraucher: Bauern. Wer diesen Beruf heute noch ausübt, ist lebensmüde, davon bin ich fest überzeugt! Ich bin auf einem klassischen
Bauernhof in Bayern aufgewachsen und meine Eltern sind noch heute Landwirte, allen Anschuldigungen und Entbehrungen zum Trotz. Für ihre Arbeit sollten sie gelobt und nicht angefeindet werden. Darum teile ich hier mit Ihnen meine Gedanken zum Leben als Bauernkind.
Katharina Bauer, Bauerntochter

Warum meine Eltern anders sind


Ich wuchs in Zeiten von BSE auf. Damals wusste man noch nicht, ob der sogenannte Rinderwahn ansteckend für Kühe oder Menschen sein könnte. Trotzdem verkündeten wählersuchende Politiker eine Riesengefahr für die Menschen, die Presse bejubelte einen neuen Weltuntergang. Der Verdacht auf eine BSE-Kuh führte bei jedem Landwirt zur Tötung all seiner Tiere. Das nannte man *Keulung*.

Meinen Dad betrübte der Gedanke, dass jemand käme und *seine Mädels* an ihm vorbei aus dem Stall führen würde, um sie irgendwohin zu karren, zu erschießen und dann zu verbrennen. Alle. Später zeigte sich, dass aus den gekeulten Beständen keine weitere Kuh krank gewesen war. Rechnet man die BSE-Fälle seit 2001 zusammen, kommt man nicht einmal auf 500. Und das bei derzeit 12 Millionen deutschen Rindern!

Es folgten die Maul-und-Klauenseuche, dioxin-belastete Eier und EHEC-Gurken. Ein Thema nach dem anderen befeuerte die Medien und verängstigte die Menschen. Durch all die vermeintlichen Skandale verloren die Lebensmittel ihren Wert. Fleisch, Eier, Gurken - das verbanden die Leute mit Manipulation, Krankheit und Skandal. Obwohl Deutschland das Land mit der höchsten Lebensmittelsicherheit ist, sank der Milchpreis, Fleisch wurde wertlos und Getreide zu billigem Brennmaterial.

Dann kamen einige Vegetarier und Veganer mit Hang zum Generalverdacht: Alles wird tot gespritzt, bevor es auf dem Teller des Verbrauchers landet. Alle Landwirte sind furchtbare Massentierhalter. Alle Tiere müssen qualvoll verenden. Das Vegetariertum verkam schnell zum Bauern-Bashing.

Ich denke dabei an unsere Kühe mit ihren strohgefüllten Liegebuchten, dem überdachten Auslauf, der automatischen Kraulbürste, dem Ventilator. Und ich denke mir - Wo sucht ihr
eigentlich die gequälten Tiere?. Wenn ich höre, wie *Tierschützer* gegen Landwirte polemisieren, dann sehe ich meine Eltern. Mit Schwielen an den Händen, verschwitztem Gesicht, schmerzendem Rücken, gestresst.

Ich sehe meine Eltern, wie sie weinend 2000 Liter Milch in den Abguss laufen lassen - weil eine Kuh, die vor zig Tagen ein Antibiotikum bekommen hatte, versehentlich für wenige
Sekunden in den Milchtank gemolken worden war. Schon das kleinste nachweisbare Pikogramm führt zu tausenden Euro Strafe. Aber wir alle pinkeln arglos unsere nicht verstoffwechselten Medikamentenreste ins Grundwasser. Ist es nicht skurril, dass wir unser Essen wegen so einer Nichtigkeit wegwerfen?

Meine Eltern haben kein Recht auf Überstundenausgleich. Der Tag endet, wenn die Arbeit getan ist, also meist nach 21 Uhr. Meine Eltern brauchen sich nicht krankschreiben lassen. Es
interessiert niemanden, ob sie krank sind. Die Kühe müssen gemolken, die Kälbchen gefüttert, die Ställe gemistet werden. Meine Eltern fahren nie in Urlaub. Meine Eltern stehen jeden Tag um fünf auf. Sie tun es für ihre Kühe. Und für euch, die ihr da sitzt und von dem esst und trinkt, was sie euch mühsam erarbeiten.

Ich habe Angst um meine Eltern, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Denn auf ihren Schultern liegt die Last einer Gesellschaft, die sich in ihrer Gemütlichkeit gute Produkte zum
Billigpreis wünscht und gleichzeitig diejenigen beschimpft, die diese Produkte erarbeiten. Meine Eltern - Opfer von bedenkenloser Billigsucht? Oder Landwirt, ein respektierter und
rentabler Beruf im Dienste von Mensch, Tier und Natur? Das entscheidet der Verbraucher bei jedem Einkauf im Supermarkt aufs Neue.

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Katharina Bauer, Bauerntochter | Bei uns veröffentlicht am 19.11.2019 | Aktualisiert am 22.11.2019


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