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Gedanken einer Bauerntochter (Teil 3)

Sie verpesten die Umwelt, quälen Tiere und hintergehen den Verbraucher: Bauern. Wer diesen Beruf heute noch ausübt, ist lebensmüde, davon bin ich fest überzeugt! Ich bin auf einem klassischen Bauernhof in Bayern aufgewachsen und meine Eltern sind noch heute Landwirte, allen Anschuldigungen und Entbehrungen zum Trotz. Für ihre Arbeit sollten sie gelobt und nicht angefeindet werden. Darum teile ich hier mit Ihnen meine Gedanken zum Leben als Bauernkind.
Katharina Bauer, Bauerntochter

Wie ein Landwirt 300 Euro verdient


Ich will euch kurz erzählen, wie ihr als Landwirt 300 Euro verdienen könnt: Ich hätte gerne, dass ihr um 5:30 Uhr aufsteht. An den meisten Tagen im Jahr wird es da noch dunkel sein. Das Frühstück besteht aus einem Tässchen Kaffee, den ihr hastig schlürft, während ihr in eure Arbeitsklamotten steigt. Das wird euch vielleicht schwerfallen, vor allem, wenn es draußen minus 10 Grad hat oder der Nebel die Hand vor dem Gesicht verschwinden lässt.
Aber unsere Ladies im Stall möchten Frühstück! Ihr müsst nun dafür sorgen, dass sie eine gute Mischung aus duftendem Heu, stärkendem Getreideschrot und Mais- und Gras-Silo erhalten. Vor der Melkmaschine stehen unsere Damen schon Schlange, schließlich produzieren sie eifrig Milch und die drückt aufs Euter. Das ist ziemlich unangenehm, also lasst sie nicht zu lange warten! Außerdem müssen die Liegebuchten, also die *Betten* dieser Ladies, jeden Tag frisch gemacht werden.

Um acht gönne ich euch ein richtiges Frühstück. Vielleicht dürft ihr auch zwanzig Minuten dösen. Denn um halbneun, neun geht es weiter. Das aufgebrauchte Futter muss nachgefüllt werden. Mit Bulldog und Futtermischwagen geht es in den Heuschober, in die Scheune mit dem Stroh, in das Lager mit den Kraftfutteranlagen. Habt ihr das erledigt? Gut, dann ist Flexibilität gefragt! Denn je nach Jahreszeit fallen nun unterschiedliche Aufgaben an, die ihr
bis 17 Uhr zu erledigen habt. Da wartet nämlich die zweite Eutermassage-Runde.

Kennt ihr euch mit Maschinen aus? Denn es kann sein, dass ihr die eine oder andere reparieren und reinigen müsst. Auch andere Wartungsarbeiten sind auf dem Hof notwendig, seien es Auslaufgatter, Scheunentore oder Lichtquellen. Zwischendrin wartet ihr auf den Tierarzt, den Besamungsdienst oder den Futtermittellieferanten. Die kommen spontan, irgendwann zwischen acht Uhr morgens und zwanzig Uhr abends. Manchmal brauchen die Ladies Pediküre, dann besucht euch der Klauenschneider.

Im Frühling geht es raus zum pflügen, säen und walzen. Da unser Boden Großartiges leistet, braucht er ab und an eine *Mahlzeit*. Also müsst ihr düngen. Gut, wenn der Kuhdung ausreicht. Dumm, wenn ihr noch andere Düngemittel benötigt. Deren Menge müsst ihr zwar akribisch berechnen und dokumentieren. Aber egal, wie sinnvoll ihr damit umgeht, es wird Menschen geben, die euch dafür massiv beschimpfen.

Schließlich rufen von März bis Oktober Feld und Wiesen. Das Heu muss gewendet und dann zu Ballen gepresst werden. Ist das Getreide reif? Nur rauf aufs Feld, drescht es, macht Strohballen, bringt die Ernte heim! Seid nicht traurig, wenn ein Anhänger voller Weizen als Nahrungsmittel weniger Geld einbringt denn als Brennmaterial. Das ist der Luxus unserer Zeit!

Im Winter ruft der Wald. Auch der will gepflegt sein und das ist eure Aufgabe. Ihr sollt die Wälder von borkenkäferkranken Bäumen befreien, neue Setzlinge pflanzen und sie vor gierigen Rehen schützen. Ihr müsst die Feld- und Wiesenränder von Gestrüpp bereinigen und die Wege freihalten. Und dann ist es kurz vor fünf Uhr, Zeit für einen Keks und Kaffee!

Sind die Kühe erneut gemolken und versorgt, die Kälbchen gefüttert und geimpft, die Scheunen und Ställe abgeriegelt? Dann wartet nur mehr ein Kontrollgang um halbzehn. Davor dürft ihr aber erst einmal an den Abendtisch, so gegen acht oder halbneun. Nach dem Essen müsst ihr euch ums Büro kümmern: Bitte dokumentiert, was ihr alles erledigt habt. Schreibt die Menge an Kraftfutter auf, notiert die Therapien, die der Tierarzt angeordnet hat und vergesst nicht die exakte Dosierung der Medikamente! Wisst ihr noch, wie viel Düngemittel ihr verwendet habt? Welche Menge an Dung ihr ausgefahren habt? Und meldet die Neugeborenen an! Spätestens nach drei Tagen brauchen sie eine Ohrmarke. Ein unregistriertes Tier sieht die EU nicht gerne und die Strafe könnt ihr euch nicht leisten.

Aber nun ist es zehn und ihr dürft unter die Dusche und aufs Sofa! Eine Bitte habe ich noch:
Die Ladies da draußen, die Anni, die Zenta und die Simba, sind meinen Eltern sehr wichtig! Wenn eine der Kühe etwas lauter muht als sonst, solltet ihr entweder senkrecht im Bett stehen oder schnellstens von irgendeiner Ecke des Hofes gelaufen kommen. Zu jeder Tageszeit, zu jeder Nachtzeit. Ihr müsst bei Anni, Zenta oder Simba sein, wenn sie kalben, krank sind oder sich verletzt haben. Auch dann, wenn sie raufen, granteln oder liebesbedürftig sind. Sie sind euer wertvollstes Gut.

Dafür kriegt ihr 300 Euro!
Einen Haken hat die Sache: Diese Summe verteilt sich auf ein Jahr. Das ist der Gewinn, den euer Hof abzüglich aller Kosten in einem schlechten Jahr einbringt. Etwa in einem Jahr, in dem der Milchpreis so niedrig ist wie im Wirtschaftsjahr 2015/16. In einem Jahr, an dem ihr an 365 Tagen einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst leistet. Ein Jahr, in dem ihr jeden Tag Rundum-Expertise in allen Disziplinen zeigt, von der BWL über Veterinärmedizin hin zu Tierhaltung, Geburtshilfe, Landschaftspflege, Umweltschutz, Maschinenbau und Forsten. Ein Jahr, in dem es an 365 Tagen Billigprodukte bei Lidl, Aldi und Kaufland gibt.

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Katharina Bauer, Bauerntochter | Bei uns veröffentlicht am 22.11.2019 | Aktualisiert am 10.12.2019


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