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Gedanken einer Bauerntochter (Teil 4)

Sie verpesten die Umwelt, quälen Tiere und hintergehen den Verbraucher: Bauern. Wer diesen Beruf heute noch ausübt, ist lebensmüde, davon bin ich fest überzeugt! Ich bin auf einem klassischen Bauernhof in Bayern aufgewachsen und meine Eltern sind noch heute Landwirte, allen Anschuldigungen und Entbehrungen zum Trotz. Für ihre Arbeit sollten sie gelobt und nicht
angefeindet werden. Darum teile ich hier mit Ihnen meine Gedanken zum Leben als Bauernkind.
Katharina Bauer, Bauerntochter

Was macht dieser Hass in mir?


Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich das erste Mal sah, was unser Hof meinem Vater bedeutet. Nie werde ich den traurigen Blick vergessen, mit dem er mir erklärte, dass nun tausende Rinder wegen des Verdachts auf BSE getötet werden. Abends lag ich in meinem Bett und hoffte genauso wie mein Vater, dass unsere Kühe verschont blieben. Währenddessen zeichneten die Medien ein skandalöses Bild von der Landwirtschaft, die sich all das Übel aus Profitgier selbst eingehandelt habe. Damals war ich in der dritten Klasse.

Noch heute kann ich nicht verstehen, warum der Hass ganzer Generationen sich über die Landwirte ergießt wie Lava aus dem Ätna. Journalisten, Politiker, der Spiegel, das ZDF, PETA, Heerscharen von Internet-Nutzern: Überall wutentbrannte Bauern-Basher. Wie soll ich dem nur begegnen? Immer weiter argumentieren und erklären, in der Hoffnung, dem Blinden das Sehen beizubringen? Oder mit dem gleichen Hass, rasendem Puls und zittrigen Händen antworten?

An mein Leben auf dem Bauernhof habe ich schöne Erinnerungen: Gemeinsame Erntearbeiten, bei einer Geburt dabei sein, Bulldog fahren, zusammenhelfen … All diese Erinnerungen sollen nun
entwertet werden durch die Behauptung, meine Eltern hätten mit ihrem Handeln die Natur zerstört oder Tiere verletzt?

Ich war nie mit meiner Familie am Meer. Meine Familie saß nie in einem Flugzeug. Den einzigen Familienurlaub unseres Lebens verbrachten wir mit ein paar befreundeten Familien - welch Ironie! - auf einem Bauernhof in Südtirol. Sonntagsausflüge gab es kaum, denn vormittags musste Futter gemischt und um 17 Uhr gemolken werden. Ich war nie in Disneyland und habe nie mit meiner Familie einen Film im Kino gesehen. Meine Geschwister und ich brauchten all das auch gar nicht! Denn wir haben Dinge erhalten und erlebt, die anderen verwehrt geblieben sind.

Aber wenn ich sehe, wie reise-verwöhnte Veganer in Facebook ihre Tierhalter-Antipathie zelebrieren oder Wutbürger über den Nitrat-Hype schimpfen, wenn der zigste Hundebesitzer die Antibiotika-Leier runterkaut, während für seinen Rasse-Rüden kein Reserve-Antibiotikum zu schade ist, dann plötzlich tut dieser Verzicht weh. Und je größer die Menge an Menschen wird, die mir das Gefühl geben, ich müsse *Landwirt* mit Scham aussprechen, desto wütender werde ich auf den *Verbraucher*.

Unsere Familienbetriebe saufen allmählich ab. Und die Mehrheit steht am Ufer und brüllt: *Sie haben es verdient!* Denn die Bauern würden den Boden mit Nitrat, die Luft mit CO2 und das Fleisch mit Antibiotika versauen. Im Internet hämmern Kommentatoren sogar Morddrohungen in ihre Tastatur. Würden Schwarze, Flüchtlinge oder Dicke so beschimpft werden, dann würde man die Täter (zu Recht!) als rassistisch, fremdenfeindlich und asozial bezeichnen.

Meine Eltern gehören aber zu einer Minderheit, die von der Gesellschaft nicht als schützenswert betrachtet wird. Sie sind Landwirte. Über ihnen darf sich der Hass unserer Zeit ganz legitim niederschlagen. Warum gibt es im Luxus unserer Zeit so derart viel Hass auf alles, was uns diesen Luxus eingebracht hat? Hass auf die EU, die Demokratie, die Wirtschaft. Hass auf die Landwirte. Ist das eine Reflexion des Selbsthasses, der uns jeden Tag beim Blick in den Spiegel begegnet? Schließlich sollten wir doch alle schön, schlank und rechtschaffen sein. Sind wir aber nicht.
Wir sind alle daran schuld, dass die Natur vor die Hunde geht. Wir trinken aus Pappbechern, kaufen in Plastik eingeschweißte Nahrung, würden nie auf unser Deo, Haarspray oder Medikamente
verzichten und der Urlaub, ja bitteschön, den muss man mit dem Flieger erreichen! Gäbe es nur Saisongemüse im Supermarkt, würden wir uns sauber beschweren. Her mit den Bananen, den
Papayas und Paprika!

Denn am eigenen Wohlstand hört der Wille zur Weltverbesserung auf.

Ich würde euch gerne sagen: Ich habe Verständnis für eure Sorgen und die Wut. Lasst uns gemeinsam lernen, lasst uns Wissen austauschen und diese Welt zu einem besseren Ort machen!
Doch dann gewinnt die Wut und über meine Lippen kommt nur: Ich HASSE euch für diese Arroganz, mit der ihr die Landwirte Wort für Wort in den emotionalen Ruin treibt. Denn ich sehe meine
überarbeiteten, müden Eltern, die jeden Tag erneut in den Stall schlurfen, mögen sie auch noch so krank oder kaputt sein.

Manchmal bin ich stinksauer auf meinen Vater, weil er mit einer solchen Vehemenz an dem Glauben festhält, die Gesellschaft würde sich ändern. *Wir müssen dem Verbraucher die Hand reichen!*, sagt er. Nur gemeinsam mit ihm würden wir es schaffen, im Einklang mit Natur und Tier zu wirtschaften.
Manchmal könnte ich über ihn lächeln wie über ein kleines Kind, das einfach nicht glauben will, dass hinter dem Bart des Nikolauses der Onkel steckt. Aber meist wünsche ich mir nur, dass diese Hoffnung in ihm nicht stirbt.

Ihr Hater und Kritiker seht das nicht. Und dafür hasse ich euch. Aber ich werde stets daran arbeiten, diesen Hass zu verhindern. Ich werde stets versuchen, euch zu verstehen, und immer wieder erklären, dass meine Eltern das gleiche Gute für die Umwelt wollen wie ihr. Wir Landwirte werden immer auf euch zugehen. Ich wünschte, wir könnten das auch von den Verbrauchern erwarten.

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Katharina Bauer, Bauerntochter | Bei uns veröffentlicht am 10.12.2019 | Aktualisiert am 16.12.2019


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