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Absurdität und Sinn - Philosophieren mit Albert Camus (1913-1960)

Vor 60 Jahren, 1m 4.1.1960, starb Albert Camus bei einem Autounfall. In literarischen, philosophischen und politischen Essays, Romanen, Dramen und Tagebüchern entwirft Albert Camus eine "Philosophie des Absurden", die zwar zu Beginn an die Existenzphilosophie angelehnt war, aber sich dann eigenständig bis zu einem nachchristlichen Selbstverständnis des Menschen entwickelte (Der Fall, 1956), dessen Ausformulierung durch den frühen Unfalltod Camus nicht mehr erfolgte. Der Mensch befindet sich fortwährend in einer absurden Situation, dem Spannungsverhältnis zwischen der absoluten Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens (und des Todes) einerseits und der nie erfüllten Sehnsucht des Menschen nach einem Sinn bzw. sinnvollem Handeln. Das Absurde entsteht aus den fortgesetzten Fragen des Menschen nach Sinndeutung und dem dauerhaften Schweigen der Welt. Es gibt keine befriedigende Deutung oder gar Erklärung, warum es Vergänglichkeit, Leiden, Zerstörung, Zufall, Chaos, Zersplitterung in Gut und Böse und nicht zuletzt den Tod gibt. Der Mensch ist in eine sinnlose Welt geworfen, aus der es kein Entrinnen gibt. Auch der Glaube an Gott entbehrt jeder Grundlage, denn das Weltgeschehen zeigt nur Chaos und keinen letzten Grund. Zwar kann der Mensch der Absurdität nicht entrinnen, aber er kann sie in einer dauernden Auflehnung (permanente Revolte) annehmen. Ein Bild für dieses verzweifelte Aufbegehren des Menschen gegen die nicht deutbare Anonymität des Weltgeschehens gibt der antike Mythos des Sisyphos, der beständig einen Stein einen Berg hinauf rollt, der wieder hinabkullert. Eine sinnlose, unendlich sich wiederholende Aufgabe. Der Mensch aber, der das ihm Vorgegebene ausschöpft, ist dem ihm auferlegten Schicksal auf seltsame Weise überlegen. Die permanente Auflehnung gegen die Absurdität reicht jedoch nicht aus, einen gewissen Sinn zu etablieren. Camus' Revolte kritisiert die mangelnde Tiefe in menschlichen Beziehungen, die eher durch Unechtes und Heuchlerisches geprägt sind. Wir alle benötigen jedoch "menschliche Wärme" (chaleur humaine) und Werte wie Solidarität, Freundschaft, Liebe. Die Ereignisse des Lebens sind je für sich wichtig. Wir benötigen für sie und damit auch für uns Freiheit und Zeit. Camus setzt auf das Leben hier und jetzt, weil anderes nach dem Tod nicht gewiss ist. Unsere Existenz hat Wert nicht im Rückgriff auf religiöse Deutung oder vernünftige Erklärungen der Wissenschaften, sondern in Bezug auf die eigene schöpferische, gestaltende Kraft des Menschen. Camus will zeigen, wie trotz des Leidens und der Ungerechtigkeit der Welt, dem menschlichen Leben Wert und Sinn gegeben werden kann. Bei Camus heißt es daher: Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen. Im Seminar werden wesentliche philosophische Fragen und Antworten Camus' anhand einiger ausgewählter Schriften vorgestellt. Es ist zudem Gelegenheit gegeben Camus' Auffassungen zu diskutieren.
Mit Dr. Michael A. Rappenglück M.A. * Gebühr: 12,- € * Eine Anmeldung bei der vhs ist unbedingt erforderlich.

Datum: 09.01.2020 - Donnerstag
Beginn: 19:00 Uhr
Ort: Gilching (vhs Gilching e.V., Landsberger Str. 17 a, 82205 Gilching, Fachraum 106)
Tel.:
E-Mail: vhs(bitte @-Zeichen einfuegen)vhs-gilching.de
Internet: http://www.vhs-gilching.de
Weitere Veranstaltungen, Nachrichten und Informationen zu Gilching und Umgebung: www.Gilching24.de

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Gilching vhs Gilching e.V., Landsberger Str. 17 a, 82205 Gilching, Fachraum 106
Die Veranstaltungsdaten wurden in das BAYregio-Veranstaltungs-Formular zur Veröffentlichung eingetragen.

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